
Einfache Rezepte für schöne Familienmomente
Wenn ich Papageienkuchen sage, wissen die meisten sofort wovon ich rede. Dieser unglaublich bunte Kuchen der auf jedem Kindergeburtstag in den 90ern auftauchte, gebacken von Oma oder der Mutter einer Freundin – irgendwer hatte ihn immer dabei.
Bei uns war das meine Mama. Sie hat ihn regelmäßig gebacken und ich habe ihn geliebt. Wobei – eine Besonderheit gab es: Waldmeister mochte meine Mutter nie. Das Grün hat sie einfach weggelassen. Wer das genauso hält, kann die grüne Portion einfach mit ein bisschen Lebensmittelfarbe färben und das Götterspeise-Pulver weglassen – der Kuchen wird trotzdem bunt, nur eben ohne Waldmeistergeschmack.
Ich habe das Rezept noch etwas angepasst um ihn wirklich saftig zu machen – und jetzt backe ich ihn für meine eigenen Kinder. Es macht mir ehrlich gesagt jedes Mal Freude, so ein DDR-Traditionsrezept in unsere Küche zu holen und weiterzugeben. Manche Dinge brauchen einfach keine Modernisierung.
Für ein Backblech ca. 39 × 26 cm oder eine runde 28er Backform – ergibt ca. 20 Stücke
Für den Teig
300 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
1 Prise Salz
250 g weiche Butter
220 g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
4 Eier (Größe M)
100 ml Buttermilch
alternativ: 100 ml normale Milch
Für die vier Farben
Rot: 1 Päckchen Rote-Grütze-Pulver, Himbeere oder Kirsche
Grün: 1 Päckchen Waldmeister-Götterspeise-Pulver, ungezuckert
Gelb: 1 Päckchen Vanillepuddingpulver
Braun: 1–2 EL Backkakao
Ich empfehle trotzdem rote und grüne Lebensmittel zu benutzen, weil das Rote-Grütze-Pulver leider nicht mehr richtig rot färbt, wie früher. So können die Farben intensiviert werden.
Zusätzlich:
bei Bedarf 2–4 EL Buttermilch oder Milch zum Verdünnen der einzelnen Teige
Für den Guss
250 g Puderzucker
ca. 4–5 EL Zitronensaft
bunte Zuckerstreusel nach Belieben


Schritt 1: Grundteig herstellen
Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (160 °C Umluft) vorheizen.
Butter, Zucker und Vanillezucker mit dem Handrührgerät mehrere Minuten hell und cremig aufschlagen – mindestens 3–4 Minuten. Die Masse soll deutlich heller werden und an Volumen gewinnen.
Eier einzeln dazugeben und jeweils gut unterrühren bevor das nächste Ei kommt.
Mehl, Backpulver und Salz vermischen und zusammen mit der Buttermilch kurz unter den Teig rühren – nur bis gerade ein glatter Teig entstanden ist. Nicht übermixen.
Schritt 2: Teig auf vier Schüsseln verteilen
Teig möglichst gleichmäßig auf vier Schüsseln aufteilen – ca. 250–270 g pro Portion.
Rote Portion: Rote-Grütze-Pulver einrühren
Grüne Portion: Waldmeister-Götterspeise-Pulver einrühren
Gelbe Portion: Vanillepuddingpulver einrühren
Braune Portion: Backkakao einrühren
Wichtig: Die Pulver binden unterschiedlich viel Flüssigkeit – das Götterspeise-Pulver bindet besonders viel, der Kakaoteig bleibt am lockersten. Falls einzelne Portionen deutlich fester werden als die anderen: 1–2 EL Buttermilch einrühren bis alle vier Teige ungefähr die gleiche cremige Konsistenz haben. Das ist der Schritt der über gleichmäßiges Backen entscheidet.
Schritt 3: Das Papageienmuster
Backblech einfetten oder mit Backpapier auslegen.
Die vier Teige abwechselnd mit einem Esslöffel in größeren und kleineren Klecksen auf dem Blech verteilen – mal hier ein großer Klecks Rot, daneben Grün, dann Gelb, dann Braun, dann wieder Rot. Kein Muster, keine Ordnung – je unregelmäßiger, desto schöner das Ergebnis.
Die Oberfläche anschließend nur vorsichtig glattstreichen – wirklich nur so viel wie nötig. Nicht zu stark durchmischen, sonst verschwimmen die Farben zu einem Graubraun statt einzelnen bunten Flächen zu bleiben.
Das Geheimnis des schönen Musters: Nicht versuchen es zu kontrollieren. Locker verteilen, einmal leicht glattstreichen – fertig. Das Muster entsteht beim Backen von alleine und überrascht jedes Mal.
Schritt 4: Backen
Im vorgeheizten Ofen ca. 25–30 Minuten backen.
Ab 23–25 Minuten Stäbchenprobe machen: Holzstäbchen in die Mitte stechen – kommen nur noch wenige feuchte Krümel (kein flüssiger Teig) heraus, ist der Kuchen fertig. Sofort herausnehmen – nicht unnötig länger backen. Genau das macht ihn saftig.
Vollständig auf einem Gitter auskühlen lassen.
Schritt 5: Zuckerguss & Dekoration
Puderzucker sieben. Mit Zitronensaft Esslöffel für Esslöffel verrühren bis ein dickflüssiger, weißer Guss entsteht – er soll fließen aber nicht zu flüssig sein.
Auf dem vollständig ausgekühlten Kuchen verteilen. Sofort bunte Zuckerstreusel drüberstreuen bevor der Guss trocknet.



Buttermilch statt Milch macht den Teig etwas weicher und saftiger – wer hat, sollte sie verwenden.
Alle Teige auf gleiche Konsistenz bringen bevor sie aufs Blech kommen – unterschiedlich feste Teige backen unterschiedlich schnell.
Nicht zu lange backen – das ist der wichtigste Tipp. Lieber nach 23 Minuten testen. Die verschiedenen Pulver beeinflussen den Teig leicht unterschiedlich, der Kuchen kann schneller fertig sein als man denkt.
Guss erst wenn komplett ausgekühlt – auf warmem Kuchen läuft der Zuckerguss zu dünn und wird nicht weiß.
Streusel sofort drauf – sobald der Guss verteilt ist, bevor er anzieht.
Warum Götterspeise-Pulver statt Lebensmittelfarbe? Götterspeise-Pulver und Rote-Grütze-Pulver geben nicht nur Farbe, sondern auch Geschmack – der grüne Teig schmeckt nach Waldmeister, der rote nach Himbeere. Allerdings gibt es Marken, die leider nicht mehr für intensive Farben sorgen, deswegen helfe ich immer mit Lebensmittelfarbe nach.
Kann ich auch gezuckertes Götterspeise-Pulver nehmen? Ja – der Teig wird dann minimal süßer, macht geschmacklich aber keinen großen Unterschied. Ungezuckertes ist ideal aber nicht zwingend nötig.
Warum wird der rote Teil gräulich und nicht rot?
Das liegt daran, dass einige Rote-Grütze-Pulver zwar Geschmack geben, aber leider keine Farbe. Hier müsstet ihr dann mit roter Lebensmittelfarbe nachhelfen und die noch unter den roten Teil mischen.
Warum wird mein Kuchen innen gräulich statt bunt? Meistens zu viel Vermischen beim Glattstreichen. Die Teige nur so weit verteilen dass die Oberfläche einigermaßen glatt ist – nicht durchrühren oder mit dem Spatel großflächig ziehen.
Wie lange hält sich der Papageienkuchen? Abgedeckt bei Zimmertemperatur 3–4 Tage – er bleibt durch die Buttermilch schön saftig. Im Kühlschrank bis zu 5 Tage, allerdings wird der Zuckerguss im Kühlschrank etwas klebrig.
Kann man ihn einfrieren? Ja – ohne Zuckerguss in Stücken einfrieren, gut verpackt bis zu 2 Monate. Bei Zimmertemperatur auftauen, dann frisch glasieren.
Woher kommt der Name Papageienkuchen? Der Name kommt von den bunten Farben – wie das Gefieder eines Papageis. In manchen Regionen auch „Regenbogenkuchen" oder „Bunter Kuchen" genannt, das Prinzip ist dasselbe.
Der Papageienkuchen ist einer dieser Kuchen der einfach Freude macht – beim Backen, beim Anschneiden und beim Essen. Das Muster überrascht jedes Mal, kein Kuchen sieht aus wie der andere, und Kinder können wirklich gut mitmachen. Und wer ihn aus der Kindheit kennt: Der erste Bissen ist echte Zeitreise.
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